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Gesundes Gehirn: Was eine vierminütige Sprachprobe über das Hirnalter verrät

Hände halten ein Smartphone zur Sprachaufnahme, ein Symbolbild für die Sprachprobe, die Hinweise auf ein gesundes Gehirn geben soll – Foto: Mitrey / Pixabay
Foto: Mitrey / Pixabay

Ein gesundes Gehirn hinterlässt offenbar Spuren in der eigenen Stimme. Ein Forschungsteam hat ein computergestütztes Modell entwickelt, das aus einer kurzen Sprachprobe das biologische Alter des Gehirns schätzt. Grundlage sind mehr als 700 Sprachmerkmale wie Sprechtempo, Pausen, Wortwahl, Tonhöhe und emotionaler Ausdruck.

In die Untersuchung flossen Sprachdaten von insgesamt 2.928 Personen aus Argentinien, Chile, Kolumbien, Mexiko und Peru ein. Die Studiengruppe setzte sich aus kognitiv gesunden Personen sowie Teilnehmenden mit Alzheimer, leichter kognitiver Beeinträchtigung oder frontotemporaler Demenz zusammen.

Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in der Fachzeitschrift Science Advances.

Die Sprachuhr im Detail

Das Modell berechnet für jede Person eine sogenannte Sprach-Alterslücke: die Differenz zwischen dem tatsächlichen Lebensalter und dem aus der Stimme geschätzten Alter. Bei gesunden Teilnehmenden fiel diese Lücke meist gering aus, ihr Sprachalter entsprach weitgehend dem echten Alter.

Sprechtempo, Pausen und Wortwahl erwiesen sich als die stärksten Hinweise auf ein jüngeres oder älteres Sprachalter. Verschob sich dagegen die Tonlage oder klang die Stimme emotional anders als erwartet, deutete das eher auf eine schnellere Alterung hin.

Auffällige Abweichungen

Bei Menschen mit kognitiven Erkrankungen fiel die Differenz zwischen echtem und geschätztem Alter deutlich größer aus. Am stärksten betroffen waren Personen mit sprachdominanter frontotemporaler Demenz. Je größer diese Lücke ausfiel, desto schwächer schnitten die Betroffenen zudem bei Tests zur geistigen Leistungsfähigkeit ab.

Auch im Blut fanden sich entsprechende Hinweise: Je größer die Sprach-Alterslücke war, desto häufiger zeigten sich erhöhte Werte des Biomarkers p-Tau217, der auf krankhafte Veränderungen im Gehirn hindeuten kann. Innerhalb der einzelnen Diagnosegruppen betraf dieser Zusammenhang laut der Studie nur Menschen mit Alzheimer. Epigenetische Alterungsmarker und bildgebende Verfahren des Gehirns bestätigten die Einschätzung der Sprachuhr zusätzlich.

Grenzen der Methode

Ein Vorteil des Verfahrens: Es kommt ohne Blutabnahme und ohne bildgebende Verfahren aus. Das Forschungsteam sieht darin Potenzial für eine Früherkennung über verschiedene Bevölkerungsgruppen hinweg.

Allerdings lässt eine einzelne auffällige Sprachprobe keinen direkten Schluss darauf zu, dass später tatsächlich eine Demenz auftritt. Die Studie untersuchte die Teilnehmenden nur zu einem einzigen Zeitpunkt, Vorhersagen über künftige Erkrankungen lassen sich daraus nicht ableiten. Das Forschungsteam betont, dass erst Langzeitstudien zeigen müssen, ob die Sprachuhr Demenzerkrankungen zuverlässig vorhersagen kann.

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