Die Bundesärztekammer fordert die Bundesregierung auf, eine nach Zuckergehalt gestaffelte Abgabe auf zuckergesüßte Getränke einzuführen. Grund ist die seit Jahren anhaltende Zunahme ernährungsbedingter Erkrankungen wie Übergewicht, Adipositas und Typ-2-Diabetes. Knapp 3.926 Ärzte und über 1.000 weitere Fachleute aus Gesundheitswesen und Verbraucherschutz haben einen offenen Brief dazu unterzeichnet.
- Übergewicht und Adipositas treten zunehmend bereits im Kindesalter auf.
- Dem Gesundheitssystem entstehen durch ernährungsbedingte Erkrankungen jährlich Kosten in Milliardenhöhe.
- Eine Expertenkommission schlägt neben der Zuckersteuer auch höhere Tabak- und Alkoholsteuern vor.
- Der Bundesrat berät bereits über einen entsprechenden Antrag aus Schleswig-Holstein.
Was hinter dem Trend zur Zuckersteuer steckt
Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, beschreibt die Zunahme ernährungsbedingter Erkrankungen als anhaltendes Problem, von dem besonders Kinder und Jugendliche betroffen seien. Unterzeichner des offenen Briefs berichten aus ihrer Praxis von wachsendem Übergewicht und Typ-2-Diabetes bereits bei jungen Patienten.
Nach Einschätzung der Ärzteschaft kann eine am Zuckeranteil bemessene Abgabe dazu beitragen, dass weniger stark gezuckerte Getränke konsumiert werden. Reinhardt widerspricht der Deutung, eine solche Abgabe sei eine Strafmaßnahme, und bezeichnet sie stattdessen als gesundheitspolitisches Präventionsinstrument.
Für wen die Diskussion um ernährungsbedingte Erkrankungen relevant ist
Die Debatte betrifft nicht nur Politik und Industrie, sondern alle, die ihren Zuckerkonsum im Blick behalten wollen – etwa Eltern, die auf das Essverhalten ihrer Kinder achten, oder Menschen, die bereits an Übergewicht oder Diabetes leiden. Ramona Pop verweist darauf, dass das vorhandene Essensangebot die Ernährungsgewohnheiten maßgeblich prägt, was die Debatte über strukturelle Maßnahmen erklärt.
Wie der Gesetzgebungsprozess abläuft
Eine Expertenkommission hat Vorschläge für eine Reform des Gesundheitswesens vorgelegt, die neben einer Zuckersteuer auch höhere Tabak- und Alkoholsteuern umfassen. Bundesgesundheitsministerin Warken hält eine Zuckersteuer aus Präventionsgründen für sinnvoll, verweist aber bei konkreten Steuerfragen auf die Zuständigkeit des Bundesfinanzministers. Familienministerin Prien signalisiert ebenfalls Zustimmung zu dem Vorschlag.
Aktuell berät der Bundesrat über einen Antrag Schleswig-Holsteins, eine Zuckersteuer einzuführen. Reinhardt geht davon aus, dass Ärzteschaft, Fachwelt und eine Mehrheit der Bevölkerung eine solche Steuer auf gezuckerte Getränke befürworten.
Risiken, Kosten und die Erfahrung aus Großbritannien
Häufig dient Großbritannien als Beispiel dafür, wie wirksam solche Abgaben sein können: Schon bevor die dortige, nach Zuckergehalt gestufte Softdrink-Abgabe in Kraft trat, passte die Getränkeindustrie ihre Rezepturen entsprechend an. Viele Hersteller reduzierten den Zuckergehalt ihrer Produkte, um höhere Abgabesätze zu vermeiden – ein Effekt, den Befürworter einer deutschen Regelung ebenfalls erwarten.
Barbara Bitzer bezeichnet Deutschland im Vergleich als Schlusslicht bei der Vermeidung ernährungsbedingter Krankheiten. Die Bundesärztekammer betont, dass sie den gesundheitlichen Nutzen einer Steuer höher gewichtet als die Höhe möglicher Steuereinnahmen. Pop charakterisiert eine Zuckersteuer zudem als Entlastung für ein nach ihrer Einschätzung unterfinanziertes Gesundheitssystem.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.