
Die Bundesregierung hat ihre Konjunkturprognose für das Jahr 2026 deutlich nach oben korrigiert: Sie rechnet nun mit einem Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent, deutlich mehr als im Frühjahr angenommen. Grund für den Kurswechsel ist eine Erholung, die stärker ausfällt als zunächst befürchtet.
Was hinter der höheren Prognose steckt
Im Frühjahr hatten der Iran-Krieg und gestiegene Energiepreise die Konjunktur belastet. Die Auswirkungen dieser Entwicklung sind nach Einschätzung der Bundesregierung geringer ausgefallen als zunächst erwartet. Die deutsche Wirtschaft habe sich widerstandsfähiger gegenüber externen Schocks gezeigt, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium.
Treiber des Wachstums sind demnach Exporte, staatliche Investitionen und erhöhte Verteidigungsausgaben. Zusätzlich haben Käufer weltweit ihre Lagerbestände mit energieintensiven Gütern aufgestockt, was die Produktion zusätzlich angekurbelt hat.
Wirtschaftsforschungsinstitute kamen zu einem ähnlichen Ergebnis
Schon im September hatten mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Einschätzung für das deutsche Wachstum auf denselben Wert korrigiert. Im Frühjahr hatten dieselben Institute noch vor einem Energiepreisschock gewarnt.
Für die Jahre danach zeichnet die Bundesregierung ein gemischtes Bild der weiteren Entwicklung des Wirtschaftswachstums 2026 und darüber hinaus: Für 2027 wird mit 1,1 Prozent gerechnet, nachdem zuvor nur rund neun Zehntelprozent angenommen worden waren. Für 2028 geht die Regierung dagegen von einem schwächeren Wachstum von sechs Zehntel Prozenten aus.
Wie belastbar diese Zahlen sind, hängt laut Bundesregierung wesentlich von der weiteren Lage in Nahost und der Ukraine ab.
Reiche fordert Strukturreformen trotz besserer Zahlen
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche betont trotz der positiveren Herbstprojektion, dass stabiles Wachstum nur mit Strukturreformen zu erreichen sei. Als zentrale Ansatzpunkte nennt sie flexiblere Arbeitszeitmodelle, konstant gehaltene Sozialabgaben, einen Abbau bürokratischer Hürden sowie konkurrenzfähige Energiekosten.
- Exporte im August 2026 um 0,8 Prozent gesunken
Nicht alle sehen die Erholung als gesichert an
Der Außenhandelsverband BGA widerspricht der optimistischen Lesart teilweise: Die Erholung in Deutschland sei noch nicht gefestigt, so der Verband. Als Beleg dafür gilt, dass der Wert der deutschen Exporte im August 2026 gesunken ist.
Die höhere Konjunkturprognose ist ein positives Signal, aber kein Beleg dafür, dass sich die wirtschaftliche Lage bereits stabilisiert hat. Ob die Erholung anhält, dürfte sich erst in den kommenden Monaten zeigen, wenn neue Exportzahlen und die Entwicklung der internationalen Konflikte vorliegen.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.