
Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit vergibt ihren Freiheitspreis 2026 erstmals nicht an eine einzelne Person, sondern an das iranische Volk als Ganzes. Damit würdigt die liberale Stiftung die Iranerinnen und Iraner, die seit Jahren unter hohem persönlichem Risiko für Freiheit, Demokratie und die Einhaltung der Menschenrechte eintreten.
Erstmals wird ein Volk statt einer Person geehrt
Seit der Etablierung des Freiheitspreises im Jahr 2006 vergibt die Stiftung diese renommierte Auszeichnung alle zwei Jahre. Während der Preis in der Vergangenheit stets an einzelne Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ging, beschreitet die Jury im Jahr 2026 neue Wege: Erstmals in der Geschichte der Auszeichnung entschied sich das Gremium gegen ein Individuum und stattdessen für die Ehrung eines gesamten Volkes.
Der Vorstandsvorsitzende der Friedrich-Naumann-Stiftung, Karl-Heinz Paqué, würdigte die Betroffenen in seiner Ansprache zutiefst. Er beschrieb die Iraner als ein Volk, das niemals aufgebe, und sieht in der Auszeichnung sowohl eine Anerkennung des immensen Mutes als auch eine internationale Verpflichtung, angesichts der anhaltenden Repressionen nicht zu schweigen.
Reza Pahlavi nimmt den Preis treuhänderisch entgegen
Da ein ganzes Volk eine solche Auszeichnung naturgemäß nicht kollektiv persönlich entgegennehmen kann, übernahm der im Exil lebende Reza Pahlavi bei der feierlichen Zeremonie diese Rolle stellvertretend. Er kündigte an, die Ehrung zu einem späteren Zeitpunkt an frei und demokratisch gewählte Vertreter eines reformierten Irans weiterzugeben. Pahlavi erklärte im Zuge der Veranstaltung zudem nachdrücklich, dass in Zukunft allein die Iranerinnen und Iraner selbst in freier Selbstbestimmung über die künftige Staatsform ihres Heimatlandes entscheiden dürfen.
Anstelle eines finanziellen Preisgeldes umfasst die Auszeichnung eine symbolische Münze sowie eine feierliche Urkunde als sichtbare Zeichen der Anerkennung. Die Ehrung ist somit primär als starkes ideelles Signal gedacht, um die tiefe weltweite Solidarität mit einer Freiheitsbewegung zu demonstrieren, die seit Jahren unter massivem staatlichem Druck steht.
Drastische Hinrichtungswelle verdeutlicht die Lage im Land
Seit Jahren riskieren unzählige Menschen im Iran ihr Leben, um sich aktiv für einen fundamentalen gesellschaftlichen Wandel einzusetzen, darunter insbesondere Frauen und die jüngere Generation. Bei den historischen Massenprotesten der jüngeren Vergangenheit reagierte das Regime mit brutaler Härte und systematischer Gewalt gegen die eigene Bevölkerung. Die erschütternde Zahl von mindestens 70 behördlich vollstreckten Hinrichtungen allein im Oktober 2026 verdeutlicht eindringlich, wie extrem angespannt und gefährlich die Menschenrechtslage im Land weiterhin bleibt.
Diese dramatischen gesellschaftlichen Entwicklungen bilden den unmittelbaren Hintergrund, vor dem die Stiftung ihre Grundsatzentscheidung getroffen hat. Anstatt einzelne Aktivistinnen oder Aktivisten isoliert herauszuheben, sollte die gesamte Breite der mutigen Protestbewegung eine ungeteilte internationale Anerkennung erfahren.
Was der Preis für die demokratische Bewegung bedeuten soll
Mit der Vergabe an ein ganzes Volk setzt die Friedrich-Naumann-Stiftung ein weithin sichtbares politisches Zeichen, dessen Wirkung über den eigentlichen Tag der Verleihung hinausreichen soll. Die internationale mediale Aufmerksamkeit, die mit der festlichen Abendveranstaltung in der geschichtsträchtigen Frankfurter Paulskirche verbunden ist, soll den diplomatischen und moralischen Druck auf die Führung in Teheran kontinuierlich aufrechterhalten.
Für die demokratische Protestbewegung im Iran bleibt auf diese Weise unmissverständlich sichtbar, dass ihr unermüdlicher Einsatz auf der Weltbühne aufmerksam wahrgenommen wird, auch wenn sich die realen Lebensumstände im Land durch die symbolische Preisvergabe allein kurzfristig nicht verändern.


