
Eine aktuelle Metaanalyse deutet darauf hin, dass strukturiertes körperliches Training bei Krebserkrankungen die Lebensqualität, die körperliche Funktionsfähigkeit und möglicherweise sogar die Überlebensdauer verbessern könnte. Untersucht wurden randomisiert-kontrollierte Studien mit erwachsenen Krebspatienten.
Hinter dem Begriff „strukturiertes Training“ verbirgt sich kein beliebiges Sportprogramm, sondern ein Trainingsplan mit festgelegter Trainingsart, Dauer und Häufigkeit. Genau diese Vorgaben machen die Ergebnisse vergleichbarer und belastbarer als frühere Beobachtungsstudien.
Was zeigt die Studienlage zu Training bei Krebs?
Die im Deutschen Ärzteblatt vorgestellte Metaanalyse von Chih-Chen Tzang und Team fasst mehrere kontrollierte Studien zusammen. Demnach verbesserte strukturiertes Training in den einzelnen Untersuchungen regelmäßig die Lebensqualität und die körperliche Funktionsfähigkeit der Teilnehmenden.
Noch deutlicher fällt ein Einzelbeispiel aus: die sogenannte CHALLENGE-Trial. Sie begleitete 889 Menschen nach einer Darmkrebserkrankung fast acht Jahre lang in zwei Gruppen.
- Teilnehmende mit strukturiertem Training hatten ein um 28 % geringeres Risiko für Rückfall oder Tod.
- Das Sterberisiko sank in der Trainingsgruppe um 37 % gegenüber der Kontrollgruppe.
- Nach fünf Jahren war rund vier von fünf Teilnehmenden der Trainingsgruppe krankheitsfrei, in der Kontrollgruppe waren es 73,9 %.
- Nach acht Jahren lebten noch 90,3 % der Trainingsgruppe, gegenüber gut fünf von sechs Teilnehmenden in der Kontrollgruppe.
Demnach kann gezieltes Krafttraining das Immunsystem, den Stoffwechsel und die körperliche Widerstandsfähigkeit positiv beeinflussen. Der Onkologe Jeffrey Meyerhardt bezeichnet die CHALLENGE-Trial als erste Studie, die belege, dass Training Krebsrückfälle tatsächlich reduzieren kann. Sein Kollege Christopher Booth spricht von einem Wendepunkt für die Versorgung von Darmkrebspatienten.
Für wen könnte strukturiertes Training infrage kommen?
Die zusammengefassten Studien beziehen sich auf erwachsene Menschen mit diagnostizierter Krebserkrankung, nicht auf eine bestimmte Tumorart allein. Krafttraining wird vor allem für die Phase nach abgeschlossener Chemotherapie eingeordnet, wenn es die körperliche Leistungsfähigkeit spürbar steigert.
Kerry Courneya, einer der an der Forschung beteiligten Wissenschaftler, fordert, dass Training künftig als feste Standardtherapie für alle betroffenen Patienten gelten sollte. Ob und wie ein solches Programm aussieht, hängt im Einzelfall von Diagnose, Behandlungsstand und körperlicher Verfassung ab.
Welche Risiken und Grenzen gibt es?
Strukturiertes Training wird nicht als Ersatz für eine onkologische Behandlung beschrieben. Die Formulierungen bleiben vorsichtig: Die Metaanalyse spricht von Training, das die Überlebensdauer „möglicherweise“ verlängern könnte, nicht von einer gesicherten Heilwirkung.
Offen bleibt zudem, welche Trainingsart, Intensität und Dauer über alle Krebsarten hinweg am wirksamsten ist. Die CHALLENGE-Trial liefert dafür Zahlen aus einer einzelnen Patientengruppe mit Darmkrebs, nicht aus der gesamten Breite onkologischer Erkrankungen.


