Ältere Menschen mit fortgeschrittenem Melanom profitieren nach einer Operation genauso von einer adjuvanten Immuntherapie wie jüngere Patienten. An der zugrunde liegenden Studie nahmen 885 Personen ab 65 Jahren teil, 280 von ihnen waren 75 Jahre oder älter. Die Ergebnisse stammen aus dem Dutch Melanoma Treatment Registry und wurden im European Journal of Cancer veröffentlicht.
Im Überblick:
- 885 Patienten mit operablem Melanom im Stadium III bis IV wurden ausgewertet
- 280 Teilnehmer waren 75 Jahre oder älter
- Starke Nebenwirkungen traten in beiden Altersgruppen bei rund 15 % auf
- Begleiterkrankungen beeinflussten Verträglichkeit und Überleben stärker als das Alter
885 Patienten erhielten nach der Operation einen PD1-Blocker
Alle Teilnehmer der Studie hatten sich einer Operation wegen eines fortgeschrittenen Melanoms unterzogen und erhielten anschließend eine adjuvante Immuntherapie mit einem sogenannten PD1-Blocker. Dieser Wirkstoff soll das Immunsystem dabei unterstützen, verbliebene Krebszellen zu bekämpfen und so ein Wiederauftreten der Erkrankung zu verhindern. Laut Pedro Naranjo Álamo verlängert die adjuvante Immuntherapie das rezidivfreie Überleben von Melanompatienten.
Die Auswertung der Daten aus dem niederländischen Register erlaubte es, ältere Patienten gezielt mit jüngeren zu vergleichen. Damit lässt sich erstmals genauer einordnen, ob das Alter allein ein Risiko für die Behandlung darstellt.
280 über 75-Jährige zeigen: Das Alter allein erhöht das Risiko nicht
Starke, sogenannte immunvermittelte Nebenwirkungen vom Grad 3 oder höher traten in beiden Altersgruppen bei etwa 15 % der Patienten auf. Die statistische Analyse fand keine Korrelation zwischen dem Lebensalter und dem Auftreten dieser starken Nebenwirkungen. Damit widerspricht die Auswertung der Annahme, dass ältere Menschen grundsätzlich schlechter auf die Immuntherapie ansprechen oder häufiger starke Nebenwirkungen entwickeln.
Laut Pedro Naranjo Álamo ist die adjuvante Immuntherapie bei Menschen mit Melanom in verschiedenen Altersgruppen sicher und wirksam. Generell verursacht die Behandlung häufig immunvermittelte Nebenwirkungen, diese hängen sogar mit einem besseren rezidivfreien Überleben zusammen.
Begleiterkrankungen wiegen schwerer als das Lebensalter
Nicht das Alter, sondern die Zahl der Begleiterkrankungen erwies sich in der Auswertung als entscheidender Faktor. Patienten mit mehreren zusätzlichen Erkrankungen zeigten demnach häufiger starke immunvermittelte Nebenwirkungen. Auch das rezidivfreie Überleben fiel bei dieser Gruppe kürzer aus als bei Patienten ohne zusätzliche Erkrankungen – unabhängig davon, wie alt sie waren.
Diese Beobachtung verschiebt den Blick in der Nachsorge: Nicht die Jahreszahl im Pass, sondern der allgemeine Gesundheitszustand scheint zu bestimmen, wie gut ein Patient die Immuntherapie verträgt und wie stark er von ihr profitiert.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.