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Triple-Agonist Retatrutid: Bis zu 28,3 % Gewichtsverlust in Studien bei Adipositas und Diabetes

Nahaufnahme einer Hand, die eine Injektionspen-Spritze ohne sichtbares Markenlogo hält, neutraler Hintergrund in einem hellen Behandlungsraum, sachliche und ruhige Bildsprache ohne – Symbolbild, KI-erzeugt
Symbolbild, KI-erzeugt

Der Triple-Agonist Retatrutid hat in zwei großen Phase-3-Studien deutliche Effekte auf das Körpergewicht gezeigt. Erwachsene mit Adipositas oder Übergewicht ohne Diabetes verloren im Lauf von 80 Behandlungswochen durchschnittlich bis zu 28,3 % ihres Körpergewichts. Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und Adipositas lag die Gewichtsabnahme in der höchsten Dosierung bei 19 %.

  • Retatrutid aktiviert gleichzeitig drei Stoffwechselrezeptoren: GIP, GLP-1 und Glukagon
  • In der Studie TRIUMPH-1 verloren Teilnehmende unter der höchsten Dosis durchschnittlich 31,9 Kilogramm
  • Bei Diabetikern fiel die Gewichtsabnahme in der Studie TRIUMPH-2 geringer aus als ohne Diabetes
  • Der Wirkstoff befindet sich noch in der klinischen Prüfung, eine Zulassung liegt bisher nicht vor

Was hinter dem Trend Triple-Agonist Retatrutid steckt

Herkömmliche Abnehmspritzen wie Semaglutid setzen an einem einzigen Rezeptor an, dem GLP-1-Rezeptor. Tirzepatid geht bereits einen Schritt weiter und stimuliert zusätzlich den GIP-Rezeptor. Retatrutid geht als sogenannter Triple-Agonist noch weiter und vereint gleich drei Angriffspunkte im Stoffwechsel: Der Wirkstoff setzt sowohl am Rezeptor für das glukoseabhängige insulinotrope Peptid (GIP) als auch am Glucagon-like Peptide-1-Rezeptor (GLP-1) sowie zusätzlich am Glukagon-Rezeptor an.

Diese dreifache Wirkung soll den Stoffwechsel stärker ankurbeln als bisherige Präparate. In der Phase-3-Studie TRIUMPH-1 nahmen 2339 Personen teil, die auf drei Dosierungen von Retatrutid oder ein Placebo verteilt wurden. Vorgestellt wurden die Resultate im Rahmen der 62. Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes, veröffentlicht wurden sie parallel dazu im Fachjournal „Lancet“.

Für wen sich Retatrutid eignet

Die Studienlage unterscheidet zwischen zwei Patientengruppen. In TRIUMPH-1 wurden Erwachsene mit Adipositas oder Übergewicht ohne Diabetes untersucht. In der Studie TRIUMPH-2 ging es dagegen um Menschen, die zusätzlich an Typ-2-Diabetes leiden.

Der Unterschied zeigt sich deutlich im Ergebnis: Während Teilnehmende ohne Diabetes unter der höchsten Dosis bis zu 28,3 % ihres Körpergewichts verloren, lag die durchschnittliche Gewichtsabnahme bei Patienten mit Typ-2-Diabetes bei 19 %. Laut den Studienautorinnen und Studienautoren erzielen Menschen mit Diabetes unter bisherigen inkretinbasierten Adipositastherapien im Allgemeinen geringere Gewichtsverluste als Patienten ohne Diabetes – ein Muster, das sich damit auch bei Retatrutid bestätigt.

Ablauf und Dauer der Behandlung mit dem Triple-Agonisten

Belastbare Zahlen stammen bislang vor allem aus dem 80-wöchigen Studienzeitraum von TRIUMPH-1. Unter der höchsten getesteten Dosis von 12 mg verloren Teilnehmende nach dieser Zeit durchschnittlich 31,9 Kilogramm. Bei der mittleren Dosierung von 9 mg betrug die Gewichtsabnahme 25,9 %, unter 4 mg waren es 19 %. In der Placebogruppe sank das Gewicht im selben Zeitraum lediglich um 2,2 %.

Besonders auffällig: 45,3 % der Teilnehmenden unter der 12-mg-Dosis erreichten eine Gewichtsreduktion von mindestens 30 % ihres Körpergewichts. Dieses Ausmaß entspricht nach Einschätzung der Studienautoren Ergebnissen, wie sie traditionell nach bariatrischen Eingriffen, also Operationen wie dem Magenbypass, beobachtet werden.

Risiken und Kosten von Retatrutid

Da Retatrutid noch in der klinischen Prüfung ist, gibt es keine festgelegten Therapiekosten für Patienten. Zu den gesundheitlichen Effekten liegen dagegen bereits Daten vor: Der Wirkstoff verbesserte in den Studien auch kardiometabolische Werte wie Taillenumfang, Triglyzeride und systolischen Blutdruck.

Beim Nebenwirkungsprofil ähnelt Retatrutid den bereits bekannten Inkretinmimetika. Unter den Nebenwirkungen traten vor allem Magen-Darm-Beschwerden auf, darunter Übelkeit, Durchfall, Erbrechen und Verstopfung. Diese Nebenwirkungen treten bei vergleichbaren Wirkstoffen aus dieser Klasse regelmäßig auf und gelten als bekanntes Muster dieser Substanzgruppe.

Darauf sollten Sie achten

  • Retatrutid ist bislang nicht zugelassen und nur im Rahmen klinischer Studien verfügbar
  • Die Wirkung unterscheidet sich je nach Begleiterkrankung: Menschen mit Typ-2-Diabetes erzielten in Studien geringere Gewichtsverluste als Menschen ohne Diabetes
  • Gastrointestinale Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Durchfall sind bei diesem Wirkstofftyp häufig
  • Weitere Phase-3-Studien laufen bereits, unter anderem zu Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafapnoe und Kniearthrose
  • Der Hersteller Lilly kündigt weitere Daten aus dem TRIUMPH-Programm für das Jahr 2026 an

Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.

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