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Cholesterinsenker im Check: Wie gefährlich sind Statine wirklich?

Cholesterinsenker zählen zu den meistverordneten Medikamenten in Deutschland, laut Arzneiverordnungsreport nehmen sie bis zu neun Millionen Menschen ein. Trotzdem halten sich hartnäckige Gerüchte über angebliche Nebenwirkungen. Eine aktuelle Metaanalyse zeigt nun, wie viele davon sich wissenschaftlich überhaupt nachweisen lassen.

Statine hemmen ein Enzym in der Leber, das an der Cholesterinproduktion beteiligt ist. Dadurch sinkt vor allem das schädliche LDL-Cholesterin, während die körpereigene Produktion weiterläuft. Ein erhöhter LDL-Wert gilt laut Deutscher Herzstiftung und Deutscher Gesellschaft für Kardiologie als zentraler Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Welche Nebenwirkungen sind tatsächlich belegt?

Eine Metaanalyse wertete 19 placebokontrollierte Studien zu fünf Statinpräparaten aus. Von 66 möglichen Nebenwirkungen, die auf Beipackzetteln stehen, ließen sich darin nur vier wissenschaftlich bestätigen.

  • Veränderungen der Urinzusammensetzung
  • Wassereinlagerungen (Ödeme)
  • Abnormale Leberenzymwerte
  • Abweichungen in der Leberfunktion

Daneben können Statine zu Muskelbeschwerden führen und das Diabetesrisiko leicht erhöhen. Für einen Zusammenhang mit Müdigkeit, Kopfschmerzen, Depressionen oder Schlafstörungen fand sich dagegen keine Evidenz.

Woher kommen die meisten gemeldeten Muskelbeschwerden?

In Registerstudien berichten rund 10 % der Patienten, die Statine einnehmen, über unerwünschte Effekte. Davon gehen laut Deutscher Herzstiftung etwa 90 % auf den sogenannten Nocebo-Effekt zurück: Allein die Erwartung einer Nebenwirkung löst dabei Beschwerden aus.

Das tatsächliche Risiko für eine Rhabdomyolyse, also einen schweren Muskelzellzerfall, liegt unter 0,1 %, das Risiko für Leberschäden bei etwa 0,001 %. Trotzdem bricht etwa jeder zwanzigste Patient die Statintherapie wegen Muskelschmerzen ab. Vor Jahren wurde das Statin Cerivastatin wegen seltener Fälle von Leberversagen vom Markt genommen, ein Einzelfall, der bis heute zur Verunsicherung beiträgt.

Wie wirksam schützen Cholesterinsenker vor Herzinfarkt und Schlaganfall?

Eine Senkung des LDL-Cholesterins um 40 mg/dl verringert das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall pro Jahr um etwa 25 %, das zeigt die sogenannte CTT-Analyse mit Daten aus mehr als 120.000 Teilnehmenden. Besonders profitieren laut Deutscher Herzstiftung Menschen, die bereits einen Herzinfarkt oder eine Gefäßerkrankung hatten.

Auch im höheren Alter schützen Statine weiterhin vor Herz-Kreislauf-Ereignissen, ein eigenständiges Absetzen gilt gerade bei älteren Menschen mit hohem Risiko als gefährlich. Die erstmalige Verordnung bei Patienten über 75 Jahren sollte dagegen individuell besprochen werden.

Ein gesunder Lebensstil senkt das LDL-Cholesterin um etwa fünf bis zehn Prozent, reicht bei bestehendem Risiko allein aber meist nicht aus. Langzeituntersuchungen zeigen dabei keinen Zusammenhang zwischen Statinen und einem erhöhten Krebs- oder Demenzrisiko, einige Studien deuten sogar auf einen möglichen schützenden Effekt hin.

Trotz der guten Datenlage nehmen laut Kardiologe Wolfgang Koenig nach 36 Monaten nur noch 21 % der Patientinnen und Patienten das ursprünglich verordnete Statin ein. Beim Cholesterinaufnahmehemmer Ezetimib sind es nach demselben Zeitraum 22 %, bei den gespritzten PCSK9-Hemmern immerhin noch die Hälfte der Behandelten.

Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.

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