Die Elektrifizierung der Busflotten in Deutschlands 40 größten Städten verläuft sehr unterschiedlich. Nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe fahren fast 80 % der Busse in den befragten Großstädten noch mit Dieselantrieb, während einzelne Städte bereits mehr als die Hälfte ihrer Flotte elektrisch betreiben.
Städte im Vergleich
In Mannheim, Freiburg und Karlsruhe fahren über die Hälfte der Busse batterieelektrisch. Zum Jahreswechsel lag der Anteil in Mannheim bei 60,6 %, in Freiburg bei 51,7 %, in Karlsruhe fuhr gut jeder zweite Bus elektrisch. Alle drei Städte planen, ab 2030 ausschließlich Elektrobusse anzuschaffen.
Ganz anders sieht es in Augsburg, Essen, Wuppertal, Krefeld und Magdeburg aus. Dort war zum Stichtag kein einziger batteriebetriebener Elektrobus im Einsatz. In Wuppertal kommen stattdessen Brennstoffzellenbusse zum Einsatz, die ein Sechstel der dortigen Flotte ausmachen. Deutschlandweit liegt der Anteil dieser Technik bei nur 1,5 % aller Fahrzeuge.
Elektrifizierung im Rückstand
Über alle 40 Städte hinweg sind derzeit fast 10.000 Diesel-Busse unterwegs. Der Anteil reiner Dieselfahrzeuge liegt bei 70 %, rechnet man Mildhybride mit, steigt der Anteil von Fahrzeugen mit Verbrennungsanteil auf 77 %. Zusätzlich sind in Oberhausen, Nürnberg, Aachen, Gelsenkirchen, Kassel und Erfurt weiterhin Dieselfahrzeuge unterwegs, deren Abgasnorm unterhalb von Euro V liegt. Die Deutsche Umwelthilfe gibt an, dass diese älteren Fahrzeuge ein Vielfaches an Stickstoffoxiden ausstoßen im Vergleich zu modernen Bussen der Abgasstufe Euro VI.
Augsburg setzt auf Biogas
Besonders deutlich wird der Rückstand am Beispiel Augsburg. Zwei Drittel der bis 2030 vorgesehenen Neuanschaffungen sollen dort weiterhin Busse mit Verbrennungsmotor sein, zunächst sollen 30 neue Biogasfahrzeuge ältere Modelle ablösen. Die Augsburger Stadtwerke begründen dies damit, dass die Umstellung auf Elektrobusse wegen des nötigen Infrastrukturaufbaus nicht schneller erfolgen könne. Bis 2039 sollen allerdings auch hier alle Busse elektrisch betrieben werden. Nahezu 50 % der betrachteten Städte planen im Zeitraum 2026 bis 2030 weiterhin den Kauf neuer Verbrenner-Busse. Halle will komplett auf diese Antriebsart setzen.
Förderung schrumpft
Aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe verschärft sich die Lage zusätzlich dadurch, dass der Bund die Förderung für E-Busse auf ein Drittel ihres bisherigen Umfangs reduziert. Die Organisation kritisiert, dass damit ausgerechnet Busse mit alternativen Antrieben schlechter gestellt würden, während ab 2030 die EU-Luftreinhaltevorschriften deutlich verschärft werden. Weil Diesel-Busse üblicherweise über ein Jahrzehnt im Einsatz bleiben, wirken sich aktuelle Kaufentscheidungen noch bis tief in die 2030er-Jahre auf die Flottenzusammensetzung aus.
Elektrifizierung bis 2030 gefordert
Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, fordert deshalb einen sofortigen Stopp des Neukaufs von Verbrenner-Bussen und eine vollständige Elektrifizierung der Busflotten bis 2030. Er argumentiert, dass technisch geeignete Diesel-Busse auch auf Elektroantrieb umgerüstet werden könnten. Gleichzeitig verlangt die Deutsche Umwelthilfe von Bund und Ländern verbindliche Finanzierungszusagen für die kostenintensiven Anfangsinvestitionen in Betriebshöfe, Ladeinfrastruktur, Netzanschlüsse und Fahrzeuge.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.