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Zehn Jahre Forschung für eine Zahnpasta: Was der neue Wirkstoff gegen Parodontitis leistet

Eine neue Generation von Zahnpasta soll nicht mehr pauschal alle Bakterien im Mund abtöten, sondern gezielt die Erreger hemmen, die Zahnfleischentzündungen auslösen. In einer Anwenderbefragung berichteten über 87 % der Teilnehmenden von positiven Veränderungen am Zahnfleisch, die meisten davon innerhalb der ersten vier Wochen der täglichen Anwendung.

Woher die hohe Nachfrage nach der Zahnpasta kommt

Nach dem vollständigen Markteintritt Anfang des Jahres war die gesamte verfügbare Charge der Zahnpasta bereits nach zwölf Stunden ausverkauft. Daraufhin setzten sich mehr als 40.000 Interessierte auf eine Warteliste. Ab April wurden die bestellten Tuben nach und nach an die Kunden ausgeliefert.

Mittlerweile wurden mehr als 100.000 Tuben verschickt, der Umsatz mit dem Produkt liegt bei über einer Million Euro. Um der hohen Nachfrage gerecht zu werden, soll die Produktion am Standort Dresden deutlich ausgeweitet werden. Bis zum Jahresende ist dort die Herstellung von mehr als 200.000 Tuben geplant. Die Zahnpasta ist bereits in Frankreich und Italien erhältlich, weitere europäische Länder und der US-Markt gelten als nächste Expansionsziele.

Wie der Wirkstoff gezielt schädliche Bakterien hemmt

Das menschliche Mundmikrobiom umfasst über 700 Bakterienarten, von denen nur wenige tatsächlich Parodontitis verursachen. Herkömmliche Mundpflegeprodukte töten jedoch sowohl schädliche als auch nützliche Mikroorganismen ab. Beim Wiederaufbau des Mikrobioms verschaffen sich die pathogenen Bakterien dadurch häufig einen Wachstumsvorteil.

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie (IZI) in Halle haben einen Wirkstoff identifiziert, der selektiv den Erreger Porphyromonas gingivalis hemmt, ohne andere Bakterien zu beeinflussen. Die Substanz mit der Bezeichnung Guanidinoethylbenzylamino-imidazopyridin-acetat tötet die Erreger nicht ab, sondern bremst ihr Wachstum.

Entwickelt wurde der Ansatz im Rahmen eines EU-geförderten Projekts mit internationalen Partnern, gemeinsam mit dem Fraunhofer IZI und dem Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS).

Für wen sich die Zahnpasta eignet – und wo ihre Grenzen liegen

Die Zahnpasta ist zur Vorbeugung von Parodontitis konzipiert und enthält, wie herkömmliche Produkte auch, Schleifmittel und Fluorid zur Kariesprävention. Der Wirkstoff selbst darf laut den Entwicklungsvorgaben nicht toxisch sein, nicht vom Körper aufgenommen werden, nicht in die Blutbahn gelangen und keine Zahnverfärbungen verursachen.

Wichtig für die Einordnung: Parodontitiserreger können über die Blutbahn in den Körper gelangen und demnach -Forschung unter anderem die Entstehung von Diabetes, rheumatischen Erkrankungen, Arthritis, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und der Alzheimer-Krankheit begünstigen. Ein mikrobiomfreundlicher Ansatz ersetzt damit keine zahnärztliche Behandlung bestehender Parodontitis, sondern setzt präventiv an.

Was Interessierte vor dem Kauf wissen sollten

Die Forschung an der Technologie dauerte mehr als zehn Jahre, das Unternehmen hinter der Zahnpasta wurde bereits 2018 in Halle gegründet, um mikrobiomfreundliche Mundpflegeprodukte zu entwickeln. Für den Alltag heißt das: Wer unter Zahnfleischentzündungen leidet oder vorbeugen möchte, kann eine solche Zahnpasta als Ergänzung zur regelmäßigen Zahnpflege und zu Kontrollen beim Zahnarzt einsetzen.

  • Die Wirkung zeigt sich meist erst nach mehreren Wochen täglicher Anwendung, nicht sofort.
  • Die Zahnpasta enthält weiterhin übliche Inhaltsstoffe wie Fluorid und Schleifmittel.
  • Starke Nachfrage führte zuletzt zu Lieferengpässen und Wartelisten.
  • Geplante Produkterweiterungen umfassen eine Mundspülung sowie ein Pflegegel für Hunde.
  • Der mikrobiomschonende Ansatz ersetzt keine Behandlung einer bestehenden Parodontitis.

Für Leserinnen und Leser mit empfindlichem Zahnfleisch bleibt der entscheidende Unterschied zu klassischer Mundpflege: Der neue Wirkstoff soll gezielt schädliche Bakterien bremsen, statt das gesamte Mikrobiom im Mund zu zerstören – ein Prinzip, das in den kommenden Monaten auch bei Mundspülungen zum Einsatz kommen soll.

Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.

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